Montag, 9. August 2010

Kitsuke Post

So... Da ich Ferien hab, hab ich mir heute mal die Zeit genommen und meinen Furisode angelegt :) Das dauert leider ewig (hauptsächlich weil ich noch nicht sonderlich viel Übung hab... :P), weshalb ich mir für gewöhnlich nicht auch noch die Mühe mach, Fotos davon zu machen. Aber wie gesagt, momentan hab ich ja Zeit ;)

Erstmal die Vorbereitungen. Um einen Kimono anzulegen braucht man nämlich bedeutend mehr als nur einen Kimono. Das Ganze ist praktisch eine Kunst für sich, wofür's in Japan auch richtige Schulen gibt, die einem "Kitsuke" - also die Kunst des Kimono anlegens/tragens - lehren.

Hier also erstmal das "Zubehör":

















1 - Polsterung für die Taille
2 - Obimakura
3 - Obiklammer
4 - Kragenhilfe
5 - Erishin
6 - Datejime
7 - Koshihimo
8 - Tabi
9 - Obiita
10 - Kimono Bra


Hadajuban

Damit geht's dann auch schon mal los:
Zuerst zieht man den Kimono Bra an, damit später die Oberweite nicht unschön über dem Obi vor"quetscht". Außerdem sollte man auch gleich die Tabi - Socken mit abgetrennter großer Zehe - anziehen, weil das sonst später echt schwierig wird, wenn man erstmal in den Obi geschnürt ist.
Drüber kommt dann der Hadajuban - eine Art "Wickelkleid", das als Unterwäsche dient. Nagajuban und Kimono sind meist aus Seide und schwierig zu reinigen. Deshalb werden sie nicht direkt auf der Haut getragen um häufiges Reinigen zu vermeiden.
Über den Hadajuban wird dann das Polster für die Taille geschnürt, um eine zyllindrische Silhouette zu erreichen - ganz im Sinne des japanischen Schönheitsideals :)


Nagajuban

Als nächstes legt man den Nagajuban über den Hadajuban an. Der Nagajuban sollte immer genau an den Kimono angepasst sein, was Ärmellänge und Farbe angeht. Er kann unterschiedliche Muster, Farben und Materialen haben. Meiner ist aus Seide und mit einem hübschen Wolkenmuster versehen, das man leider auf den Fotos nicht gut erkennen kann... :( Außerdem ist am Kragen bereits ein schön mit silbernen Blumen verzierter Haneri angebracht, der später unter dem eigentlichen Kimonokragen hervorschauen sollte.
Vor dem Anlegen wird in den Haneri die Erishin eingesteckt, die den Kragen steif und stabil macht und später den Kimonokragen stützt.
Reingeschlüpft und mit einer Koshihimo zusammengeschnürt, nach Möglichkeit so, dass der Kragen hinten den Blick auf den Nacken freilässt, eine für die Japaner sehr erotische Körperpartie.
Anschließend kann das ganze noch mit der Datejime fixiert werden, um jedes Rutschen zu vermeiden.
























Furisode

Nun kommt der Kimono drüber - wer mitgezählt hat: Das ist dann jetzt schon Schicht Nr. 3. Langsam wird's also warm... ;)

Ich hab mich heute mal für meinen Furisode - einer meiner bestgehütetsten Schätze in meiner bescheidenen Kimonosammlung - entschieden. Furisode haben sehr lange Ärmel und sind unverheirateten Frauen vorbehalten. Sie haben meistens auffällige Farben und Muster und werden nur zu hochoffiziellen und/oder zeremoniellen Anlässen getragen.

Was das Muster hier angeht: Ich kenne nicht alle Blumen und weiß daher auch nicht, welcher Jahreszeit das schöne Stück zuzuordnen ist, aber heute war mir das ausnahmsweise auch Wurscht ;)


Kimono sollten im Optimalfall immer mindestens so lang sein, wie die Trägerin groß ist, das heißt in meinem Fall eine Länge von 163 cm von Kragen bis Saum gemessen. Leider ist dieser Furisode nicht ganz so lang, was das Anlegen ein wenig schwierig macht. Man hebt zunächst den Stoff so an, dass der Saum maximal drei Zentimeter über dem Boden endet. Dann wird er mit einer weiteren Koshihimo fixiert und der Überhang wird als Falte, die man Ohashori nennt, über die Koshihimo gelegt. Das klingt jetzt furchtbar kompliziert... Wenn ich mich das nächste Mal in einen Kimono schnüre, versuch ich mal Fotos von den einzelnen Schritten zu machen...

Ist alles sauber verschnürt und an seinem Platz, wird der Kragen mit der Kragenhilfe fixiert und anschließend die Obiita angelegt, die dafür sorgt, das der Obi später sauber glatt angelegt werden kann.

Und dann ab zum kompliziertesten (und anstrengensten) Teil des Ganzen: Den Obi binden.

Zum Furisode gehört traditionell ein Fukuro-Obi - eine ca 32 cm breite, knapp 4 m lange Stoffbahn, mit reichen Verzierungen, die aber nicht den ganzen Obi bedecken, sondern die Obimitte aussparen. Ginge das Muster durch, würde es sich um einen Maru-Obi handeln, die förmlichste Form des Obi.

Zunächst wird der Fukuro-Obi der Länge nach zusammengefaltet, so dass er nur noch halb so breit ist. Dann wickelt man ihn je nach Länge etwa dreimal um die Taille und fixiert ihn im Rücken mit der Obiklammer oder - sollte man keine haben - mit einem Knoten. Ab hier wird's dann kompliziert, weshalb ich mir die genaue Beschreibung auch spare. Unter den Obi wird das Obimakura - ein kleines Kissen, das dem Trommelknoten, dem Otaiko Musubi, seine Form verleiht - gebunden und mit der Obiage verdeckt, welche vor der Brust gebunden und teilweise unter den Obi geschoben wird. Anschließend wird der Obi nach Innen gefaltet wie eine Zieharmonika und mit der Obijime fixiert. Fertig!


Eine der wichtigsten Regeln des Kitsuke sollte ich vielleicht noch nennen: Links über rechts. Egal, ob beim Schließen des Kimono oder beim Binden eines Knotens, els gilt immer: Links über rechts. Umgekehrt wird es nur bei Verstorbenen gemacht, wer also nicht als tot gelten will, sollte diese Regel tunlichst beachten.

Für alle die sich mit Kitsuke auskennen: Ich weiß, dass die Ohashori praktisch nicht vorhanden ist... :( Wie gesagt, der Furisode ist etwas zu kurz für mich... Und man sieht zu wenig vom Haneri... :( Überhaupt, viel zu viele Falten... sloppy...

Das nächste Mal versuch ich's vielleicht mal mit meinem Kurotomesode, den ich eigentlich gar nicht tragen darf, weil ich nicht verheiratet bin, und zu dem ich keinen passenden Nagajuban habe, weil bei dem einzig farblich passenden die Ärmel zu kurz sind... Oh my, wir werden sehen...
Mir fällt grade auf, dass der Obi eigentlich zu blass für den Furisode ist... Vielleicht lieber einen kräftig orangen? Hm...